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52. Wachsende Gemeinschaft

Ein rustikaler Holztisch, auf der mit Brot, Wurst, Käse und Biergläsern gedeckt ist. Daneben steht ein aufgebocktes Bierfass mit einem Zapfhahn. Erstellt mit ChatGPT.
Ein zünftiges Abendbrot. (KI-generiert)

Im Foyer drückte der glatzköpfige Zwerg mit dem ausladenden Schnauzbart jedem von uns einen Beutel mit metallisch klimperndem Inhalt in die Hand.

„Fünfundsiebzig Silbermünzen für jeden von euch. Anscheinend habt ihr die Stadt gerettet. Mein Respekt!“, sagte er und nickte sogar Linnarhan und Hyrasha anerkennend zu. Wieder in die warmen Jacken gehüllt, verabschiedeten wir uns winkend aus der Almadina und betraten den großen Markt. Mog, der vom Dienst freigestellt war, bot sich als Stadtführer an und begleitete uns in die städtische Rüstkammer. Dort durften Olthek, Spigna und Rognil sich neu ausstatten, auch dem Rest der Gruppe wurde erlaubt, ihre Ausrüstung kostenfrei reparieren zu lassen. Linnarhan füllte ihren Pfeilköcher auf, Khûna und ich ließen unsere Äxte nachschleifen. Die Dolche, die Olthek von den Wachsoldaten erhalten hatte, gab er zurück und suchte sich einen neuen Streithammer aus, da ihm seine ursprüngliche Waffe von den Orks abgenommen worden war. Rognil und Spigna gaben sich mit einfachen Kampfstäben zufrieden, denn Gegenstände für magisch Begabte waren auch hier eine Seltenheit. Die Auswahl der Kleiderkammer hingegen war groß und alle fanden angemessene Garderobe für die Weiterreise. Auch ich musste eine Jacke und ein Hemd ersetzen, die auf der Burg Schaden genommen hatten. Mit vollgepackten Armen gingen wir zur „Blauen Schwalbe“ zurück und luden unsere Errungenschaften ab, bevor wir im Gastraum zum Mittagstisch zusammenfanden. Am Nachmittag würden wir gemütlich über den Basar schlendern, hatten wir uns vorgenommen.

 

Wir saßen zu zehnt am Tisch und ließen den Moment der Ruhe auf uns wirken. Das Nötigste hatten wir am Vormittag erledigen können, nun wollten sich alle noch etwas Ruhe gönnen, bevor wir die Feuerlenker aufsuchen würden. Ich erhob mich von meinem Stuhl, schaute in die Runde und nickte jedem meiner Gefährten dankend und lächelnd zu. Hyrasha, Foret, Olthek, Spigna, Rognil, Pelok, Khûna, Imus sowie meine Verlobte Linnarhan erwiderten meinen Blick. „Liebe Freunde, ich bin glücklich, dass wir nun alle gemeinsam hier sitzen können und weitgehend wohlauf sind. Als ich erfahren hatte, dass drei von euch festgehalten wurden, ließ ich mich nicht davon abbringen, sie aus ihrer Lage zu befreien. Dabei konnte ich auf lange Freundschaften ebenso zählen wie auf jene, die erst kürzlich geschlossen wurden. Ich bin dankbar für eure Hilfe und die mir entgegengebrachte Loyalität. Ihr tragt den wahren Geist der zwergischen Gemeinschaft in euch! “, hielt ich eine kurze Rede, um meine Begleiter zu würdigen.

 

Von Derus Personal wurden Krüge zum Tisch gebracht und neben uns ein Fass Bier aufgebockt, an dem wir uns gütlich tun konnten. Ich setzte meine Ansprache fort, nachdem eine Runde an alle ausgeschenkt war: „Natürlich dürfen wir auch Hyrasha und Linnarhan nicht vergessen, ohne deren Hilfe weder mein eigener Weg noch diese Rettungsaktion so verlaufen wären. Mit euch beiden teile ich sowohl meine Vergangenheit, Gegenwart und auch die Zukunft. Ihr seid keine Zwerge, doch ich liebe euch. Linnarhan als meine Verlobte, Hyrasha als ehrenhafte Freundin.“ Ich nahm einen großen Schluck aus meinem Humpen, um meinen Hals zu befeuchten, da ich das viele Reden nicht gewohnt war. „Imus, dich habe ich nicht aus Mildtätigkeit aufgenommen, sondern weil ich wissen möchte, was dich dazu gebracht hatte, gegen dein eigenes Volk zu handeln. Ich war doch etwas verwundert, dass die Ratsherren meinem Vorschlag so schnell zugestimmt hatten.“, bestand ich auf eine Stellungnahme des Händlers und setzte mich wieder.

 

Der junge Zwerg schaute betreten vor sich hin, hatte sichtlich Mühe, sich aufzuraffen, doch er begann zu reden: „Das Schattenkartell hatte sich an mich gewandt, als ich zum Ratsherren der Händlergilde ernannt wurde. Ich weiß nicht, warum ich ihnen jede Information gab, die sie verlangten, doch die Worte sprudelten bei jedem Treffen einfach aus mir heraus. Ich schäme mich dafür, nicht standhaft gewesen zu sein. Seit gestern fühle ich mich wieder freier, doch meine Fehler sind mir nun bewusst.“ Nach seinem Erklärungsversuch schluchzte er erbärmlich und begann zu weinen. Bedrückte Stimmung machte sich am Tisch breit. Foret seufzte, dann sprach er zu dem blonden Zwerg: „Deinen Verrat verzeihen wir dir nicht, aber wenn du dich in unserer Gruppe beweist, dann können wir womöglich Freunde werden. Wir geben keinen Zwerg auf, denn in jedem einzelnen unserer steinernen Herzen sind wir gleich. Zusammen werden wir stark sein und dem Steinvater zur Ehre gereichen. Nur als Gemeinschaft können wir die Zwerge in die Eisenbinge zurückbringen. Zwei Clans fehlen noch, um das Vorhaben abzuschließen. Du kannst ein Teil davon sein und deine Schuld dabei abgelten, Imus.“ Alle Augen waren gebannt auf den alten Zwerg gerichtet, dessen Worte die gesamte Gruppe fasziniert hatten. Ich hätte es nicht besser sagen können und bewunderte meinen Freund dafür sehr. In ihm entdeckte ich immer wieder verborgene Talente, weil er sich nur selten in den Vordergrund stellte und genau dann die richtigen Worte traf, wenn sie nötig waren. Ich strahlte Foret an und prostete ihm zu, was er stolz erwiderte.

 

Imus' Haltung lockerte sich, er schien den Mut gefasst zu haben, mit uns einen neuen Weg einzuschlagen. „Danke. Ich habe euer Wohlwollen nicht verdient und werde es nicht enttäuschen.“, versprach er sichtlich gerührt. In den Augen der anderen Zwerge sah ich Skepsis, doch ebenso Zuversicht. Sie würden jedem in unserer Gruppe ohne zu fragen beistehen, wobei auch immer. Ich vertraute diesen Leuten bis tief ins steinerne Herz.

 

Mit dem Wirt hatte ich mich zuvor abgesprochen, weshalb genau in dem Augenblick, als wieder Ruhe am Tisch einkehrte, das Essen serviert wurde. Ich hatte ihn darum gebeten, typische Kost aus Sajranzizar aufzutischen, um die Kultur der Stadt näher kennenzulernen. Unter großem Staunen brachten Derus Angestellte Platten und Schüsseln mit köstlich duftenden Gerichten zu uns. Gekochtes Getreide, gebackenes Gemüse, Pilze und auch gebratenes Fleisch verströmten exotische Gerüche, die mir das Wasser im Mund zusammenlaufen ließen. Ich füllte meinen Bierkrug nach, ehe ich mir von den Speisen nahm und trank einen weiteren Schluck des dunklen, malzigen Gebräus. Als ich aß, stellte ich fest, dass das Getränk hervorragend zu den Komponenten der Mahlzeit passte und ich genoss es noch mehr. „Mach langsam, niemand isst dir etwas weg, Liebster.“, ermahnte mich Linnarhan mit einem bezaubernden Lächeln und ich versuchte mich zu zügeln, obwohl es mir so sehr schmeckte.

 

Als das Geschirr abgeräumt war und wir noch gemütlich die Krüge leerten, wandte ich mich an Olthek und die Kristallzwerge: „Hattet ihr etwas über die Steinformer herausfinden können, als ihr unterwegs wart?“ Rognil regte sich, nickte und begann mit seinem Bericht. „Einst war ich bekannt als der Bote der Chronisten, doch die Wissenden waren sich selbst näher als den anderen Clans und widmeten sich der eigenen Unsterblichkeit. So wurde ich zum letzten Chronisten, der einst den Steinformern folgte, als sie die neu entstandenen Siedlungen mit ihrem Bahnnetz verbanden.“, stellte er sich der Gruppe näher vor. „Es muss nun mehr als zehn Sonnenläufe her sein, dass sich unser Weg nach dem Besuch von Gabil’urdûm trennte. Wir konnten von dort aus weit durch die Tunnel fahren, bis wir in einen Haltepunkt in den Alpen anhielten. Ich erinnerte mich vage an diesen Ort, doch er hatte sich verändert. Als ich das erste Mal dort war, gab es noch keine Möglichkeit zu rasten, zuletzt fanden wir eine saubere Unterkunft und reichlich konservierte Nahrung vor. Inschriften erzählten dort vom Wirken der Steinformer, die nach getanem Werk weiterzogen. Über ihren Verbleib wurde nichts berichtet. Nach einer ausgiebigen Rast setzten wir die Bahnfahrt fort, bis wir im Südwesten Frankreichs den verheerten Tunnel verlassen mussten. Wahrscheinlich hatte er im letzten Krieg der Menschen Schaden genommen. Da wir nur nachts den Pyrenäen entgegengingen, zog sich unsere Reise hin. Kurz bevor wir Sajranzizar erreichten, hatten die Orks des Schattenkartells uns aufgegriffen und verschleppt. Wie lange wir von ihnen festgehalten wurden, kann ich nur erahnen. Danke, dass ihr uns gefunden und befreit habt.“, kam er zum Ende und nickte dankbar in die Runde.

 

Kurz darauf erhoben wir uns vom Tisch und verließen das Lokal, um endlich die Stadt näher in Augenschein zu nehmen. In der Sonne des jungen Nachmittags trieb es viele Bewohner und Händler auf den großen Basar, der das Herzstück der Stadt darstellte. Um den riesigen Platz herum verzweigten sich labyrinthartig die Straßen der Siedlung. Abseits des Marktplatzes fanden wir auch ansässige Händler und Handwerker, die ihrem Tagwerk nachgingen und uns auf unserem Erkundungsspaziergang freundlich zuwinkten. Ich überlegte, ob in meiner Ausrüstung noch etwas fehlen würde, als mir die Auslage eines Schneiders an Straßenrand auffiel. Neugierig trat ich näher heran und der Meister schaute aus dem Fenster seiner Werkstatt, vor dem er seine Waren feil bot. Hosen, Hemden und Jacken hingen auf stehenden Bügeln, wobei mir eine schwarze Hose aus robustem Stoff in die Hände kam, als ich mich durch die Kleidungsstücke wühlte. „Bei den Menschen ist dieser strapazierfähige Baumwollstoff schon lange sehr beliebt. Ich kann Euch gern eine Hose aus diesem Stoff anpassen, falls Ihr Interesse habt, Herr Zwerg. Für dreißig Silberlinge kämen wir ins Geschäft.“, bot der schmale Mann mit spitzem Kinnbart an, doch ich hielt dagegen: „Ich gebe Euch fünfundzwanzig Silberstücke für eine solche Hose, werter Schneidermeister.“ Meine Freunde schauten mich verdutzt an, Imus grinste und nickte mir zu. „Legt noch zwei Silberlinge drauf und wir sind im Geschäft.“, kam der Schneider mir entgegen und ich schlug ein. Mit klappernden Hufen kam der Faun näher und nahm mir die schwarze Hose ab, die ich noch in den Händen hielt. „Kommt, lasst mich Maß an Euch nehmen, damit ich das Stück bis morgen fertig habe.“, bat er mich in das Haus hinein. Zu meinen Kameraden meinte ich: „Geht nur weiter, das wird wohl eine Weile dauern.“, doch sie blieben geduldig in der Nähe und schauten sich auf der Straße bei anderen Ständen und Auslagen um. Linnarhan begleitete mich in die Werkstatt und beobachtete, wie der Meister seine Arbeit tat. „Bitte legt eure Oberbekleidung ab.“, meinte er und zeigte auf die Mitte des kleinen Raumes, der mit einem weichen Teppich ausgelegt war. In Hemd und Unterhose stand ich da, dann kam der Mann mit Maßband, Stift und Papier zu mir und schrieb nach jedem Messen Zahlen auf. Die Länge meiner Beine, der Umfang meines Bauches, die Stärke meiner Oberschenkel und jedes kleine Detail notierte er sorgfältig, bis er mich erneut direkt ansprach: „Morgen Nachmittag sollte ich so weit sein. Kommt dann einfach wieder hierher und ihr könnt Eure neue Hose anprobieren. Wenn alles passt, könnt ihr sie dann gegen die Zahlung von siebenundzwanzig Silberstücken Euer Eigen nennen.“ Damit war ich einverstanden und versprach ihm, am nächsten Tag zurückzukehren.

 

„Ihr habt versucht, mit dem Schneider zu handeln, Chef. Das war für einen ungeübten Zwerg gar nicht mal schlecht.“, bemerkte Imus lachend, nachdem sich die Gruppe wieder zusammengefunden hatte. Mit einer mir unbekannten Frucht in der Hand ging Spigna kauend neben mir her. Der Saft, der aus dem gelben Fruchtfleisch austrat, roch süß und frisch, der Strunk, an dem sie das Obst festhielt, sah aus wie eine kleine Palme. Sie schluckte, bevor sie ihren Gefallen daran kundtat. „So etwas Leckeres habe ich noch nie gegessen! Der Händler nannte es ‚Ananas‘.“, erzählte sie begeistert und biss noch einmal davon ab.

 

Gemächlich steuerten wir auf den großen Basar zu, das geschäftige Treiben verdrängte die Ruhe der Seitenstraßen, als wir näherkamen. Die einfachen Holzgestelle der Marktbuden trugen bunte Stoffdächer, um die Besucher und Handeltreibenden vor Sonne und Regen zu schützen. Im Vorbeigehen grüßte ich die ältere Dame, die mir zwei Tage zuvor den köstlich gefüllten Fladen gemacht hatte. Sie winkte freundlich zurück. Gerade stand die Sonne hoch am blauen Himmel, doch die Jahreszeit konnte auch sie nicht ändern, die Kälte blieb.

 

An dem Stand eines Klingenschleifers hielt Olthek inne und sah sich bewundernd die Messer, Dolche und Schwerter an, die auf dem Verkaufstisch lagen. Er griff nach einem Säbel mit geschwungener Klinge und bronzenem Handschutz, den er eingehend betrachtete. „Schönes Stück. Lange Klingen mögen für uns untypisch sein, doch das beeindruckt mich.“, gab der Erzformer unumwunden zu und fragte den Betreiber der Marktbude: „Was soll dieses Stück kosten, guter Mann?“ Dabei wog der den Säbel weiterhin in seinen Händen und wartete das Angebot ab. „Unter zweihundert Silberstücke gebe ich den Säbel nicht ab, der stammt noch von den Sarazenen, die einst diesen Landstrich beherrschten. Er mag alt sein, doch die Klinge ist immer noch scharf und schön anzuschauen ist die Waffe auch.“, bewarb der Mann mit dunkler, wettergegerbter Haut sein Ausstellungsstück. Olthek zuckte wegen des Preises zusammen, doch er fasste sich und kaute abschätzend auf seiner Unterlippe. Er überlegte laut und an den Klingenschleifer gerichtet: „Ein zwergischer Streithammer nützt Euch sicherlich wenig. Ein Schmied, dem ich noch etwas beibringen könnte, seid Ihr nicht. Was kann ich Euch anbieten, dass Ihr mit siebzig Silberlingen zufrieden seid?“ Just in jenem Augenblick schnellte unter dem Tisch eine Hand hervor und schnappte nach einem Schwert, das zum Verkauf stand. Ein kleines, hüpfendes Wesen nahm blitzschnell Reißaus und zog die lange Waffe auf dem Boden hinter sich her, dass es auf dem Steinboden kratzte und schepperte. Geistesgegenwärtig warf Olthek den Säbel nach dem Dieb, der vor Schreck das Schwert losließ und das Weite suchte. Pelok war dem flinken Wesen hinterhergelaufen, hob beide Waffen auf und legte sie auf den Tresen der Marktbude. „Ich sollte mich wohl erkenntlich zeigen, werte Zwerge.“, meinte der Händler beeindruckt. Ich überlasse Euch den Säbel für einhundert Silbermünzen, da ihr den Diebstahl des Schwertes verhindert habt." Olthek ließ die Schultern hängen, da er nicht über so viele Münzen verfügte. „Lasst uns zusammenlegen.“, schlug Hyrasha vor, „Jeder gibt fünf Münzen, dann kann er den Säbel kaufen und niemand ist im Nachteil. Wo außer hier haben diese Silberlinge denn Wert? Bald reisen wir ab und sie wären nur Ballast im Gepäck.“, überzeugte die Bewahrerin uns und ging reihum, um von jedem Zwerg und der Elfin das Silber einzusammeln, dann übergab sie das prall gefüllte Ledersäckchen dem jungen Erzformer, der sich mit einem breiten Lächeln bedankte. Er zählte langsam das Geld ab und baute zehn Münztürmchen auf dem Tisch auf. Der Klingenschleifer lachte. „Danke, nun könnt Ihr den Säbel behalten. Gebt auf Eure Freunde acht, Herr Zwerg, solche findet man nicht überall!“, verabschiedete er sich von unserem Gefährten, der seinen Neuerwerb an seinem Gürtel befestigte. Mit stolzer Miene marschierte er zwischen uns, Spinella ging an seiner Seite und sah ihn verliebt an.

 

Bis zum Sonnenuntergang spazierten wir noch über den großen Basar. Mit rotem Glühen verabschiedete sich der Tag hinter den schneebedeckten Bergen im Westen. Wir gingen zur „Blauen Schwalbe“ zurück und betraten kurze Zeit später fröstelnd die warme Gaststube. Ich begab mich zum Granittresen, um noch ein Wort mit Deru zu wechseln, während die anderen sich für eine Weile auf die Zimmer zurückzogen. Hyrasha blieb in meiner Nähe, da ihre Unterkunft sich woanders befand. Der Zentaur lächelte mich freundlich an, als ich zu ihn hinauf sah. „Alles zu Eurer Zufriedenheit, Herr Daril?“, fragte er beflissen und ich nickte. „Alles ist wunderbar, danke sehr. Es wird nicht lange dauern, bis wir uns wieder am Tisch versammeln. Ein helles, süffiges Bier käme uns zum Abendbrot sehr recht. Hierbei würde ich mich über Brot, Wurst, Käse und dergleichen sehr freuen.“, beschrieb ich ihm meine Vorstellung. Er lachte kurz wiehernd auf und meinte erfreut: „Eine zünftige Brotzeit also. Das ist kein Problem. Sobald alle da sind, wird aufgetragen.“ Ich dankte mit einem tiefen Nicken und lächelte zurück. Hier konnten wir es und gutgehen lassen, bis wir die Stadt wieder hinter uns ließen. Beim nächsten Besuch würde es sicher anders sein, dachte ich so bei mir, drehte mich zum Tisch um und nahm bei Hyrasha Platz.

 

Nach und nach kamen meine Gefährten wieder herunter, Linnarhan setzte sich neben mich auf die Bank, sodass ich zwischen den beiden großen Frauen saß. „Das war ein guter Tag. Nun bin ich hungrig.“, meinte Foret grinsend. Als wäre das ein Zeichen gewesen, sah ich Deru am Tresen winken und seine Angestellten setzten sich in Bewegung, um uns den Tisch zu decken. Zuletzt kam ein kräftiger, bärenartiger Mann, der allein das Bierfass brachte, auf den bereitstehenden Bock legte und anstach. Weißer Bierschaum sprudelte aus dem eingeschlagenen Zapfhahn, bis goldenes Bier herausfloss. Wir füllten die Krüge und stießen auf den gelungenen Tag an. Das frische Brot duftete hervorragend und der Geruch des würzig-aromatischen Weichkäses stieg mir in die Nase. „Morgen gönnen wir uns einen letzten Ruhetag, bevor wir nach Amon Calen aufbrechen. Auf unserer Fahrt hierher gab es zwar einige Stellen in den Tunneln, die nicht sehr vertrauenserweckend wirkten, aber wenn wir vorsichtig sind, werden wir es überstehen, denke ich.“, teilte ich der Gruppe meine Pläne mit. Auch Hyrasha nickte wie die anderen zustimmend und ergänzte: „Bis in die Stadt der Druiden werde ich euch begleiten, dann müssen sich unsere Wege trennen, denn ich muss wieder in den Osten zurück.“ Ich nahm das als gegeben hin, obwohl es mich etwas traurig machte, sie so schnell wieder gehen lassen zu müssen.

 

Der Blick Rognils wanderte zu Imus und taxierte den jungen Händler eingehend, bis dieser das Interesse des Kristallzwergs bemerkte. „Rognil, hast du etwas auf dem Herzen, dass du mich so eindringlich anschaust?“, fragte der junge Zwerg mit dem rötlichen Bart. Rognils erhabene Züge wirkten immer noch wie aus Stein gehauen als er seine Gedanken preisgab und fragte: „Wie gut kanntest du das Schattenkartell? Was weißt du über Gilbert Cugnan und seine Helfer?“ Imus nickte knapp und erzählte, was er wusste. „Monsieur Cugnan war immer sehr gesprächig und hatte mir einmal bei einer Teestunde seine Geschichte erzählt. Gilbert stammt aus altem französischen Landadel und war von der Geschichte der Katharer besessen, die im 12. und 13. Jahrhundert der Menschen aufgrund ihrer Art des christlichen Glaubens von der Inquisition verfolgt und ausgemerzt wurden. In Gilberts Vorstellung musste die Welt gereinigt werden, damit seiner Seele Erlösung widerfahren würde. Er ließ sich mit den Wesen der Nacht ein, mit denen er das Schattenkartell begründete. Immer mehr dem Wahnsinn verfallend, wagte sich Gilbert an abscheuliche Experimente und wurde dabei zum Nekromanten. Um seine Machenschaften zu finanzieren, untergruben er und seine Freunde den Handel Sajranzizars. Mich zog er irgendwie in seinen Bann und so wurde ich zu seinen Augen und Ohren auf dem großen Basar. Der Vampir, der in der Krypta der Ruine lebte, hatte es auf die magischen Waren der Händlergilde abgesehen und trieb den Einfluss des Schattenkartells voran. Ich konnte all das klar sehen, doch meine Gedanken waren wie in Watte gepackt und meine Hände fühlten sich taub an. Meine Schuld möchte ich nicht kleinreden, denn ich hatte nur meinen eigenen Vorteil gesehen und mich benutzen lassen.“, berichtete Imus und brach daraufhin in Tränen aus. Khûna legte ihren Arm um ihn, dann straffte er sich wieder, atmete tief durch und nahm einen Schluck aus seinem Krug.

 

Ich machte mir noch für einige Momente Gedanken über Imus’ Geschichte, ehe ich beschloss, den Abend mit meinen Freunden zu genießen und für eine Zeit lang die Wolken im Kopf beiseite zu schieben. Wir stießen noch einmal an und leerten die Humpen. Aus dem Fass floss das milde süffige Bier, bis jeglicher Anflug von Durst gestillt war und der Inhalt zur Neige ging. Gesättigt und leicht betrunken gingen wir gemeinsam nach oben und verabschiedeten uns in die Nacht. Morgen wollten wir Sajranzizar verlassen, sobald alle Angelegenheiten erledigt waren.

 

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