
Content-Warnung: Dieses Kapitel enthält detaillierte Beschreibungen von Kampf und Gewalt, einschließlich blutiger Auseinandersetzungen. Leser*innen, die empfindlich auf solche Darstellungen reagieren, sollten dies beachten.
Khûna humpelte durch die Krypta, um ihre Axt aufzuheben. Ihr gezielter Wurf hatte dem Schrecken ein schnelles Ende gesetzt. Auf Rognils und Spignas Drängen einzugehen, stellte sich als eine gute Entscheidung heraus, denn ohne ihre magischen Fähigkeiten wäre der Vampir im Vorteil gewesen. Ich konnte ihnen nicht genug danken und schloss sie erleichtert in die Arme. „Ihr seid großartig! Danke.“, sagte ich stolz und drückte beide an mich. Wir sahen uns ein letztes Mal im Grabgewölbe um, bevor wir die düstere Stätte wieder verließen. Unser nächstes Ziel war der letzte verbliebene Turm der weitläufigen Ruine, wo sich der dunkle Meister des Schattenkartells aufhalten musste.
Bald hatten wir den ungewöhnlichen Turm mit den außenliegenden Stufen hinter uns gelassen und bemerkten das ferne Glühen des Morgenrots am Horizont. Mog und Ulig steuerten die Wächtergolems, die nun die Gruppe beschützten. Wir gingen erneut durch die Überreste der weitläufigen Burganlage auf den mächtigen Donjon zu, der bedrohlich zwischen den verfallenen Mauern empor ragte. Schwaches Licht schimmerte durch die schmalen Öffnungen im Gemäuer des zentralen Wohnturmes. Der Eingang am Fuß des gewaltigen Gebäudes stand sperrangelweit offen, was im Zwielicht keineswegs einladend wirkte. Trotzdem gingen wir entschlossen darauf zu, auch wenn nicht mehr alle Gruppenmitglieder bei vollen Kräften waren. Der Wille, die Sache zu Ende zu bringen, stärkte uns nur noch zusätzlich.
Nun standen wir vor dem beinahe torbreiten Eingang des Donjons, der imposant vor uns in die Höhe ragte. Unsere Wächter aus Stein sollten auch hier vor der Tür stehen bleiben, damit wir ihre zerstörerische Kraft im Notfall einsetzen könnten. Mit laut klopfendem Herz betrat ich als erster den Turm. Giftgrün schimmerte das Feuer in den Fackelhaltern, die spärlich die Wendeltreppe beleuchteten. Der unterste Raum des Turmes war klein, kaum mehr als eine Wachstube. Aus der dunkelsten Ecke klapperte und kratzte es schauerlich. Wollte der Nekromant uns seine letzten untoten Kämpfer entgegen schicken?
Einige Ratten rannten mir entgegen, flohen durch den Türbogen und verschwanden im Geröll auf dem Hof. Mit Bedacht stieg ich die marode Treppe hinauf. Ich hörte Pelok irgendwo hinter mir grummeln: „Das ist zu einfach und riecht stark nach einer Falle, wenn ihr mich fragt.“ Ich nickte und strebte Stufe um Stufe aufwärts. Knirschend lösten sich Stücke aus dem Mauerwerk der Treppe, die polternd in die Tiefe fielen.
Ich spähte vorsichtig in das erste Turmzimmer hinein. Eine Küche. Der altertümliche, gemauerte Ofen stand noch und ein schwaches Feuer glühte darin. Auf einem Holztisch lagen ein Schneidebrett und ein scharfes Messer, die wohl jemand für die Zubereitung einer Mahlzeit benutzt hatte. Ein Hauch von frischem Gemüse und gekochtem Fleisch hing noch in der abgestandenen Luft, die sich kaum bewegte. Grobe Keramikfliesen bildeten den Bodenbelag, der zwar fleckig und alt erschien, doch die Küche war funktional und aufgeräumt, sogar fast gemütlich. Schweigend gingen wir weiter. Die Gedanken meiner Gefährten konnte ich nur erahnen.
Wir folgten der Rundung der Turmmauer und betraten die nächste Treppe, die aus Holz bestand. An vielen Stellen bemerkte ich Ausbesserungen, die notdürftig wirkten, aber ihren Zweck erfüllten. Das Pflichtgefühl trieb mich höher, obwohl seit dem Betreten der Burg eine schwer greifbare Angst mein ständiger Begleiter gewesen war. Mein Bauch krampfte sich zusammen und ich sprach mir in Gedanken Mut zu, den ich nicht hatte. Die Holzkonstruktion knarzte und wankte leicht, während wir nacheinander weiter hinaufgingen und bald den nächsten Raum erreichten.
Auf den alten Dielen stand ein großes Himmelbett mit roten Samtvorhängen. Das Gestell war kunstvoll aus dunklem Holz gefertigt. Teppiche sorgten für ein wenig Behaglichkeit und das vergilbte Bildnis eines stolzen Ritters zierte die Wand. Alles wirkte alt, zweckgemäß und vermittelte den Anschein von Normalität. All dies verunsicherte mich noch mehr. „Hier lebt eindeutig jemand. Das ist nicht nur ein zeitweiliges Versteck.“, sagte Hyrasha überzeugt. Niemand konnte das abstreiten.
Ich beschloss, eine kurze Verschnaufpause einzulegen, obwohl mir die nahe Präsenz des Bewohners dieser Kammern bewusst war. Wir nahmen im Schneidersitz auf den Läufern Platz. Über uns hörten wir das Geräusch von Schritten auf Holz. „Fassen wir uns ein Herz und bringen es zu Ende.“, sagte ich mit einem Selbstbewusstsein, das mir nur das mutige Lächeln meiner Kameraden sowie der sanfte Wangenkuss meiner Liebsten hervorrufen konnten. Bevor wir die letzten Stufen emporsteigen wollten, formierten wir uns, um dem Anführer des Schattenkartells gegenüberzutreten. Die beiden Wachen sollten erneut vorangehen, gefolgt von Olthek und Pelok in der zweiten Reihe, dahinter standen die magisch begabten Kristallzwerge und ich. Den Abschluss der Gruppe bildeten die Verletzten und die Fernkämpfer.
Über eine schmale Holztreppe gelangten wir zur Tür der Dachkammer. Ulig betätigte die Klinke langsam und drückte die einfache Holztür auf. Ein Mensch in smaragdgrüner Samtweste, brauner Tweedhose und flachen Lederschuhen stand im Zimmer, der sich zu uns wandte und freundlich grüßte. Hinter ihm befand sich eine Art Steinaltar, mit seltsamen, tiefschwarz gezeichneten Symbolen.
„Ah, meine werten Freunde sind endlich angekommen! Setzt euch, trinkt einen Tee mit mir.“, lud der blonde Mann uns ein. Verwundert postierten sich Mog und Ulig auf beiden Seiten der Tür, alle anderen taten es ihnen nach und ließen mich zwischen ihnen stehen. In der Tür verharrten schließlich Foret und Linnarhan, bereit zu schießen. Ich räusperte mich, kam mir unbeholfen und überrumpelt vor, wie wir so kampfbereit vor diesem jungen Kerl standen, der mit einem süffisanten Blick auf uns sah. Mich hinsetzen und eine Teestunde abhalten wollte ich mit ihm aber auf keinen Fall. „Ihr seid der Meister dieser Burg.“, stellte ich einfach in den Raum. Ihn belustigte das offensichtlich und er begann düster zu lachen. Er nickte, wobei seine Locken wippten. Mit weniger beschwingter Stimme antwortete er: „Ja, der bin ich. Der Meister, der Nekromant, der Herr des Schattenkartells, das nun keines mehr ist.“ Dabei drehte er seinen Rücken zu uns, nur um mit ganzer Wucht und vollem Zorn fortzufahren. „Ihr habt meine Handlanger niedergemetzelt! Ihr habt dem Untod Widerstand geleistet. Nun werdet ihr dafür bezahlen!“, rief er wütend. Plötzlich drehte er sich um. Nun hielt er einen langen dunklen Holzstab mit einem grün leuchten Kristall in seinen Händen, den er auf mich richtete. „Ihr werdet mich nie wieder bei meinen Forschungen stören! Ich, Gilbert Cugnan, lasse mir meine Vergangenheit nicht nehmen! Ich werde in das Himmelreich aufsteigen und diese böse Welt in Trümmern und Chaos hinter mir lassen.“, schrie er mit grausam verzerrtem Gesicht und stieß seinen Stab auf den Boden.
Schwere metallene Schritte dröhnten von unten herauf, die immer näher kamen. Die Augen konnte ich von dem Menschen nicht abwenden, da mir die Situation vollkommen entglitten war und ich auf seine nächste Aktion reagieren können wollte. „Ihr könnt mir nichts antun. Er wird mich beschützen.“, rief Gilbert und zeigte zur Tür. Mit einem letzten schweren Stampfen blieb ein Ritter davor stehen und zog sein Schwert. Bleiche Knochen steckten in der alten, rostigen Rüstung. Das Kettenhemd wies Löcher auf, durch die der hohle Brustkorb hell wie Elfenbein schimmerte. Die Nahkämpfer der Gruppe stürmten auf den Skelettkrieger zu, um ihn nicht in die Kammer einzulassen. Ich hielt dem irren Blick des wütenden Mannes stand und wich nicht zurück. Im Augenwinkel bemerkte ich Khûna und Hyrasha, die sich an beiden Seiten an dem Nekromanten vorbeischlichen, um hinter ihn zu gelangen. Spigna schoss ihm einen der sonnenhellen Strahlen entgegen, der den Mann in mitten in den Bauch traf. Stöhnend stützte er sich auf seinem Stab ab, senke seinen Blick aber nicht und schaute mir direkt in die Augen, die grün aufleuchteten. Das Mal auf dem Altar funkelte violett in der Sonne, die im Aufgehen durch das Fenster der Dachkammer hineinschien.
Mit einem Mal erschrak der dunkle Meister, auch der untote Ritter stockte in seinem Kampf. Hyrasha hielt ihm ihr Kurzschwert an die Kehle, während Khûna mit der breiten Schneide ihrer Axt auf seine Beine zielte. „Schluss jetzt.“, rief die Bewahrerin der Sagen einschüchternd. Gilbert ließ seinen Stab fallen und reckte seine leeren Hände in die Höhe. „Der Trottel Imus hat versagt. Alles ist verloren. Kein Heil für die Menschen.“, jammerte er. Hyrasha ließ ihn los und der Mensch fiel schluchzend auf seine Knie, Khûna wich zurück, zum letzten Schlag bereit.
Ich hörte, wie auf der Treppe das Skelett mit seiner Rüstung in sich zusammenfiel und scheppernd Teile der Rüstung die Stufen hinunter polterten. Weinend redete Gilbert vor sich hin: „Ich wollte diese Welt doch nur von ihrem Leid erlösen. Der Himmel ist das Ziel, wenn die Menschheit im Chaos verbrennt.“
Den wirren Worten konnte ich nicht folgen, doch kniete ich mich vor der jämmerlichen Gestalt hin und hörte ihr zu. „Ja, viele Menschen sind verdorben, doch sie leben nicht allein hier. Du hast die Zwerge in der Stadt in die Enge getrieben, die dadurch ihr Erbe verraten hatten. Dort wirst du eine gerechte Strafe erhalten.“, versuchte ich ihm klarzumachen, doch sein Geist schien vor meinen Worten verschlossen zu sein. Hyrasha band dem Nekromanten am Rücken die Hände zusammen, dann verließen wir schweigend den Wohnturm. Die Überreste des Ritters trugen Pelok, Ulig und Mog zusammen, damit wir ihm ein würdiges Begräbnis geben konnten. Ich lief mit Linnarhan und Olthek zu dem Turm, in dem die verunstaltete Frau ihren Tod durch uns gefunden hatte. Auch ihr hatte ich eine würdevolle Totenruhe versprochen.
Die Sonne nahm ihren Lauf und es wurde Abend, bis wir im verwilderten Burggarten vor zwei frischen Gräbern standen. Gelbe Blumen schmückten die braune Erde und sendeten einen letzten Gruß in die Ewigkeit, als die Sonne rot zwischen den hohen Bergen versank.
Mit unserem Gefangenen im Schlepptau machten wir uns auf den Rückweg nach Sajranzizar. Mog und Ulig sammelten die Golems ein, mit denen wir die von ihnen verwüsteten Teile der Ruinen überwinden konnten. Bis wir den Ausgang der Höhlen erreicht hatten, herrschte Schweigen in der Gruppe, nur Gilbert wimmerte immer wieder. Im Wald empfingen uns die Spriggans, die uns bis zu den Toren der Stadt begleiteten. Wir klopften an das große Tor. Durch einen Sehschlitz schaute skeptisch ein zwergischer Wächter. „Was wollt ihr so spät noch?“, grummelte er mich an und erschrak. Eilig und pflichtbewusst versuchte er seinen Fehler wieder gutzumachen: „Entschuldigt. Zwerge hatte ich nicht erwartet. Ich öffne das Tor.“, verbesserte er sich schnell und die Torflügel schlugen kurz später auf.
Unsere beiden Stadtsoldaten berieten sich mit ihren Kollegen, dann kamen sie zu mir. „Wir bringen den Menschen in eine gesicherte Zelle und lassen ihn bewachen. Soweit wir wissen, kann er ohne Hilfsmittel nichts anstellen. Wir sehen uns morgen früh vor der Almadina, um den Herren des Rates Bericht zu erstatten. Außerdem muss Ratsherr Imus noch einige Fragen beantworten. Ich muss mich dringend waschen, Herr Daril, diese Mission hat uns allen viel abverlangt.“, verabschiedete Ulig sich von uns.
Hyrasha begleitete uns noch bis in die „Blaue Schwalbe“, wo wir uns gemeinsam an einen Tisch setzten. Dort empfing uns Deru und fragte nach unseren Wünschen. Einstimmig verlangten wir nach reichlich Bier. Schnell kamen die gefüllten Krüge auf den Tisch und wir stießen an. „Der anstrengende Teil der Mission ist geschafft und wir haben unsere Freunde zurück. Ich bin glücklich, die Sache mit einem blauen Auge überstanden zu haben.“, sprach ich zur Runde. Alle hoben ihre Humpen und wir stießen an. Ich lächelte in mich hinein, als ich sah, wie Olthek und Spinella sich glücklich in die Arme schlossen und küssten. Mein Blick wanderte neben mich zu meiner Verlobten, die so viel geleistet hatte. Linnarhan schaute mich liebevoll an, dann strich sie mit ihren Fingern sanft über meinen Kopf. Nach dem Umtrunk sprach ich kurz mit dem Wirt. „Wir haben unsere Freunde befreit, wie du siehst. Sie benötigen einen Platz zum Schlafen. Ihre Habseligkeiten sind verloren gegangen, aber sie gehören ja zu uns, das geht auf die Händlergilde.“, meinte ich und grinste den Zentauren an, der bestätigend nickte. Dann antwortete er: „Kein Problem, Daril. Ich kümmere mich darum.“
Erschöpft gingen wir auf unsere Zimmer. Im oberen Flur wartete bereits ein Angestellter auf die drei neuen Gäste und brachte sie zu ihren Gemächern. Ich entledigte mich der Kleidung, die unter dem Abenteuer gelitten hatte, und ging mich ausgiebig waschen. Es fiel mir schwer, mich wach zu halten, bis meine Liebste soweit war, zu mir ins warme Bett zu schlüpfen. Als ich meinen Arm um sie legte und ihren Duft einatmete, schlief ich schnell ein.
Der nächste Morgen kam für mich zu schnell. Linnarhan war bereits auf den Beinen, als ich mich Bett noch einmal umdrehte, aber keinen Schlaf mehr fand. Frustriert betrat ich das Badezimmer und erfrischte mich. Als ich wieder in den Hauptraum kam, saß sie in einem dunkelblauen Kleid auf dem Bett und bürstete sich die langen dunkelblonden Haare. „Schön, dass du auch wach bist, liebster Zwerg.“, begrüßte sie mich. Ich lächelte sie an, ging ins Ankleidezimmer und suchte mir frische Sachen heraus. Zusammen gingen wir hinunter in den Gastraum, um zu frühstücken, bevor es zur Almadina ging.
Olthek und Spigna saßen bereits an dem großen Tisch in der Nähe des granitenen Tresens und nippten an ihren Heißgetränken. Der sechsarmige Kellner kam zu uns und ich bestellte bei ihm einen Kaffee, Linnarhan bestand auf einen bekömmlichen Kräuteraufguss. Zu essen gab es süßes Brot, frische Butter und Fruchtaufstrich. Meine Stimmung verbesserte sich allmählich. Bald erschienen auch die anderen drei Freunde am Tisch und als wir alle fertig gefrühstückt hatten, zogen wir warme Jacken über und gingen zum Stadthaus. Mog, Ulig und Hyrasha erwarteten uns schon vor der Tür. „Ihr seid pünktlich, lasst uns hineingehen.“, sagte Ulig und öffnete, ohne zu klopfen, die breite Tür. Im Foyer legten wir die Mäntel ab, der glatzköpfige Zwerg mit dem Schnurrbart zeigte uns, dass wir direkt hinaufgehen sollten. Die Türen zum Salon und auch zum Ratssaal standen offen, sodass wir nach kurzer Zeit vor den hohen Herren des Rates der Händlergilde standen. Links vom Tisch stand Gilbert, der von zwei Wachsoldaten begleitet wurde. An seinem Zustand schien sich über Nacht nichts geändert zu haben.
Diesmal standen elf Stühle auf unserer Seite des langen Tisches, womit auch Linnarhan und Hyrasha gleichwertig behandelt wurden. Wibog eröffnete das Treffen: „Es tut gut, euch alle zu sehen. Danke, dass ihr dem Schattenkartell ein Ende gemacht habt. Aus dem Haufen Elend, dessen Name Gilbert Cugnan ist, konnten wir kein vernünftiges Wort herausbekommen. Ständig redet er von der himmlischen Erlösung. Er wird bis an sein Lebensende in sicherer Verwahrung bei uns bleiben.“ Ich nickte dem Ratsherren entgegen. „Danke. Mehr als einen Tag waren wir fort und hatten eine Burgruine in der Nähe durchkämmt, um seiner habhaft zu werden. Seine Obsession hängt wohl mit dem Glauben der Albigenser zusammen, die von der katholischen Inquisition im dreizehnten Jahrhundert der Menschen verfolgt und vernichtet worden waren. Inwiefern er Verbindungen zu der Burg hatte, die er für sich und sein Schattenkartell beanspruchte, wissen wir nicht.“, berichtete Hyrasha über ihre Erkenntnisse. Die hohen Herren nickten ihr dankend zu. Hegol meldete sich zu Wort und sinnierte: „Jemand aus der Stadt muss mit ihm in Kontakt gestanden haben, sonst hätte das Kartell uns nicht so in die Enge treiben können. Wenn wir nur wüssten, wem wir die Schwierigkeiten zu verdanken haben.“ Mit festem Blick schaute ich Imus an, der zusammenzuckte, als er es bemerkte und versuchte, sich kleinzumachen. „Imus.“, sagte ich. „Gilbert hatte ihn als Verräter benannt, bevor er lethargisch wurde.“ Die Blicke aller anderen sechs Gildenräte senkten sich auf den jungen Zwerg, der sichtlich erschüttert in sich zusammensank. „Ja, ich hatte ihnen geholfen. Sie versorgten mich im Gegenzug mit magischen Waren. Ich schäme mich so.“, wimmerte der blonde Zwerg mit dem drei Bartsträhnen. Wibog und die anderen waren sichtlich erzürnt und sahen angewidert auf Imus herab. „Du bist mit sofortiger Wirkung aus dem Rat der Händlergilde von Sajranzizar ausgeschlossen. Wegen Kollaboration mit dem Schattenkartell sollst du inhaftiert werden und gemeinnützige Arbeit unter Aufsicht für fünfzig Jahre leisten.“, urteilte Graff über ihn. Mit einem einstimmigen „Jawohl!“ bestätigten die anderen fünf Zwerge des Rates das Urteil.
„Darf ich einen Wunsch äußern?“, fragte ich bescheiden an Wibog und Graff gerichtet. Beide nickten. „Ich möchte Imus gern in meine Obhut nehmen und seine Strafe überwachen. Der junge Zwerg hat sicher noch viel zu lernen und wenn er mich und meine Gefährten begleitet, finden wir sicher viele Gelegenheiten, ihm die Flausen aus dem Kopf zu vertreiben.“, stellte ich meinen Antrag, der ausnahmslos alle im Saal überraschte. Mit geweiteten Augen sah mich Imus an und rief: „Meint Ihr das ernst, Daril? Ihr seid doch nicht bei Trost!“ Ich lachte nur und alle anderen begannen ebenfalls damit. Wibog bat bald um Ruhe. „Ich gebe Eurem Wunsch nach, Herr Daril, Sohn des Redin. Wir geben diesen Zwerg in Eure Obhut, damit er aus seinem Fehltritt lernen möge. Sein Posten wird neu besetzt werden, aber die Person werden wir sorgfältiger auswählen als zuvor.“, versprach der oberste Ratsherr. „Eine Sache noch, werte Herren.“, warf ich ein, „Meine befreiten Freunde benötigen neue Ausrüstung und bevor wir abreisen möchten wir uns noch ausgiebig erholen. Könnt ihr uns das ermöglichen?“ Noch einmal erschallte heiteres Lachen durch den Ratssaal, dann bestätigten die verbliebenen sechs Gildenräte meine Forderung und legten noch ein Taschengeld für mich und jeden meiner Gefährten obendrauf.
Gilbert Cugnan blieb unter strenger Bewachung und einem Bannzauber in Verwahrung. Mit Imus musste ich später noch ein ernstes Gespräch führen und vor meinen Freunden sollte ich meine Entscheidung rechtfertigen. Doch das konnte bis zum Abendessen warten.
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